Lucy: About a car.

Ein Nachruf.

     Ich bin kein Mensch, dem der Führerschein in die Hand fiel. Ich fiel durch, und noch mal durch und dann noch ein wenig. Aber es hinderte mich nicht, mich in das Autofahren zu verlieben.

Irgendwann hatte ich auch meinen Führerschein, und weil der VW – Bus meines Vaters mir wie ein blauer, gefährlicher, unsteuerbare Riese erschien, und ich dem Auto nicht vertraute (und mein Vater wiederrum mir nicht), bekam ich ein kleines, eigenes, Daryamobil. Ein Ford Fiesta. Meine Knutschkugel. Meine Lucy.

(Lucy am Tag ihrer Ankunft bei mir.)

Warum Lucy? Wegen den Beatles  und weil ich beschloss, dass sie wild und teuflisch war.  Oh ja, sie war wild. Sie war der offizielle Wagen der Schulschwänzer, der nächtliche “Zigaretten- und ein gutes Gespräch”-Express, der Rausch wurde auf ihren einladenden Sitzen ausgeschlafen…

Lucy war Freiheit, genau die Art von Freiheit, die ein 18-jähriges Mädchen in ihrem Leben braucht. Aber sie war mehr als nur das, sie war Freundschaft! Die Verbündete, die mich zu Dates brachte, die Freundin, die mit ihrem Motorschnurren den ersten Liebeskummer sänftigte, die erlaubte, in ihr zu weinen, zu rauchen und zu lachen und den Sorgen davonzudüsen.

Gleichzeitig war sie so geduldig mit mir, wie nur das erste eigene Auto sein kann und ertrug mein fürchterliches Parken und Wenden und Zusammenstöße gegen diverse Laternen und Steine –  und wir sind kein einziges Mal gestorben, dafür aber schonmal geblitzt, aber ich glaube sogar darauf ist sie stolz – “Hey, ich kann doch schneller, als in dem Fahrzeugschein steht! Whooo!”

Sie ließ mich nie im Stich. Bis vorgestern.

Motorschaden, was genau, weiss ich noch nicht, denn ich musste sie auf einer Autobahnraststätte zurücklassen. Was ich leider weiss, dass ich im schlimmsten Falle  nicht die Macht und nicht die Mittel habe, um Lucy am Leben zu erhalten. Jetzt, wo ich meinem Vater zuhöre, der von Schrottplätzen redet und dass sie nur ein “Stück Metall” sei, habe ich nur das Bedürfnis zu sagen, dass sie vielleicht alt und gebrechlich, dreckig, verbeult und vom Leben gezeichnet, aber keinesfalls bedeutungslos war. Mein erstes Auto.

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4 Gedanken zu “Lucy: About a car.

  1. Uuuh, süßes Auto :) )
    Danke für deine Hilfe bzgl Kamera :)
    Budget ist so eine schwere Sache.. Weil ich könnte schon einiges ausgeben, aber ich will eigentlich möglichst wenig ausgeben, es aber nicht bereuen. Fänds Super bis 500€. :) )

  2. Oh, ich kann das gut verstehen. Das erste Auto ist immer was Besonderes. Mein erster Wagen war ein schwarzer Nissan Micra, mein “Dark Star”. Von dem musste ich mich leider trennen, weil sich irgendwann Nachwuchs und damit der ungute Fakt ankündigte, dass weder der Kindersitz, noch der Kinderwagen vernünftig hinein passen würden. Also wurde der Kleine für eine Familienkutsche in Zahlung gegeben. Und obwohl ich es nie, nie, niemals für möglich gehalten hätte, hat es mir fast das Herz zerrissen. Vorher waren Autos für mich eben auch nur ein Stück Metall.

    Ich drück dir die Daumen, dass da vielleicht doch noch was zu machen ist!

    • Oh nein, hoffentlich wächst das Kind mit dem Wissen auf, dass es eine _exzellente_ Person werden muss, weil solche Opfer gebracht wurden! Es muss sich ja lohnen!
      Ne, im Ernst – ich habe es mir schon irgendwie gedacht, dass mein Herz brechen wird, aber es bricht mein Herz schon ziemlich hart. Eine klitzekleine Chance hat die Kleine noch, am Sonntag wird versucht…

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